Gastkolumne: "Alles in Butter, nur kei Angst."

Roger Lütolf

Liebe Leserinnen und Leser
Vor 80 Jahren, im Jahr 1945, wurde das Richemont gegründet, um das Handwerk, die Ausbildung, Innovation sowie den Nachwuchs zu fördern und die wirtschaftliche Stärke der Branche voranzubringen.
1945 war ein grossartiges Jahr. Der Zweite Weltkrieg ging zu Ende, und Persönlichkeiten wie Emil Steinberger, Bernhard Russi oder der Gitarrengott Eric Clapton wurden geboren. Der Mac-und iPhone-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Gründer Bill Gates erblickten genau 10 Jahre später das Licht der Welt. Und die Eltern vom Facebook-Gründer, Mark Zuckerberg(*1984), kamen wohl irgendwann zwischen 1945 und 1955 zur Welt –genau wissen wir es nicht. Happy Birthday an alle! Ich bin schon gespannt, welche Persönlichkeiten heute noch in den Windeln stecken oder demnächst geboren werden, die unsere Gewohnheiten erneut grundlegend verändern. Es wird sicher passieren, das verspreche ich. Das iPhone wird dieses Jahr erst volljährig, und trotzdem ist das Handy heute so selbstverständlich wie die Hefe im Sonntagszopf. Die Geschwindigkeit, mit der neue Innovationen heute eingeführt werden, ist atemberaubend. Was gestern noch „In“ war, ist heute schon wieder „Out“. TikTok und Co. geben den Takt vor, ob wir wollen oder nicht.
Doch eines ist sicher: Die Bäcker-und Confiseriebranche wird es auch in 80 Jahren noch geben. Das Handwerk ist so wichtig, dass auch das Richemont mit denselben Zielen wie vor 80 Jahren bestehen bleibt –vorausgesetzt, wir alle bleiben wandlungsfähig. Künstliche Intelligenz, Roboter und 3D-Drucker werden Einzug in die Backstube halten. Betriebe werden personalisierte Produkte anbieten, und die Backwaren der Zukunft werden nicht nur schmecken, sondern immer mehr auch gesunde und funktionale Vorteile bieten.Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, und digitale Geschäftsmodelle ermöglichen neue Vertriebsmöglichkeiten –vielleicht mit nachhaltigem, lokalem Mehl oder doch mit alternativen Mehlen wie Insekten-oder Algenmehl?
Emil bringt es in seinen Auftritten zeitlos auf den Punkt: „Alles in Butter, nur kei Angst.“ Wir müssen keine Angst vor der Zukunft haben, sie kommt sowieso. Die Frage ist, ob wir sie annehmen und mitgestalten –oder ob wir uns von ihr gestalten lassen.Ich bin überzeugt, dass die meisten von eurer Zunft die Zukunft aktiv mitgestalten wollen. Dafür ist es entscheidend, eine klare Strategie zu haben, ogen zu sein, sich von der Konkurrenz abzuheben und den Berufsstolz mit Freude zu zeigen. Nutzt die neuen Technologien, um Fachkräfte zu gewinnen, und probiert doch einfach mal etwas Neues aus. Nur wer wagt, gewinnt–speziell in der Zukunft!
Liebe Grüsse
Roger Lütolf
Unternehmer & Marketingexperte
Der erfahrene Marketingprofi war Mitinitiator des Fachwettbewerbs «Brot-Chef» beim Berufsverband Bäckerei & Confiserie. Mit seiner Marketingagentur buzz:fun GmbH betreut er mehrere Bäckereien und führt für die Bäckerbranche auch praxisnahe und kurzweilige Workshops durch.
(Gastkolumne im Richemont Fachblatt 01/2025)


