Hotel Utopia – Nichts ändern wollen ist das grösste Risiko
Roger Lütolf
Die Sonderschau Hotel Utopia an der Igeho war ein Experiment. Ein mutiges. Und ein sehr erfolgreiches. Ohne Partner-Rollups, ohne Logos im Vordergrund und trotzdem generierten die Partner viele Leads und noch mehr Gespräche. Wie geht das?
Mit buzz:fun durften wir die Sonderschau als Ideengeber, Konzepter, Umsetzer und Host begleiten. Zum 60-Jahr-Jubiläum wollte die Igeho nicht zurückblicken, sondern 60 Jahre nach vorne. Genau dort startete unsere Reise.
Der Kickoff fand bei den Zukunftsforscherinnen des renommierten Instituts Fraunhofer IAO statt. Ein Workshop voller Energie, Verrücktheit und Zukunftsdenken. Zurück in der Schweiz brachten wir die Ideen Schritt für Schritt auf den Boden. Das Projekt blieb dabei radikal agil. Konzepte wurden angepasst, Partner verloren oder gewonnen, Perspektiven geschärft. Die vier Themenfelder Ernährung, Robotik, Gesundheit und Erholung-Illusion blieben als roter Faden erhalten, als Kompass für alle Entscheidungen.
Das Spezielle: Wir zeigten nicht Aussteller, sondern eine Customer Journey durch ein Hotel der Zukunft. Die Aussteller waren die Lösung eines Problems und nicht klassische Aussteller. Dazu ein Beispiel: Es gibt Service-Roboter, aber wie werden diese richtig eingesetzt? Wir packten einem Service-Roboter Koffer auf und er fuhr von der Reception zum Lift und zurück. Die Besucher sahen, was er macht, und wir konnten die Story erzählen, dass der Roboter selbständig den Lift nutzt und zum gewünschten Stock fährt. Durch diese Story überzeugten wir gleich zwei Aussteller, den Liftproduzenten und den Roboter-Distributor. Beide generierten Leads ohne Rollups oder Ähnliches.
Wir zeigten, warum Hologramme und Illusionen in der Hospitality sinnvoll sein können. Wir präsentierten auch einen KI-Film, der die Hospitality-Branche in 60 Jahren zeigen soll. Der Film war sehr utopisch, aber vieles davon wird kommen. Daraus entstanden viele spannende Diskussionen. Weitere Roboter zeigten, was heute schon möglich ist. Viele Besucher blieben in der Sonderschau länger und probierten verschiedene Varianten aus. Sie diskutierten, waren überrascht oder auch ein wenig geschockt. Bestimmt haben viele im Anschluss noch darüber gesprochen und genau das war unser Ziel. Unsere Botschaft war, dass sich die Arbeit verändern wird, die Hospitality-Branche aber eine Branche der Zukunft bleibt, in der echte Gastfreundschaft gelebt wird.
Ein besonderes Highlight war das Pop-Up-Restaurant Utopia Dining der Hotelfachschule Thun. 26 Studierende arbeiteten während Monaten an ihrer Vision fürs Essen von morgen und setzten diese an mehreren Abenden um. Sie testeten Technologien, probierten neue Menüformen, überlegten sich Abläufe und Präsentationen. Ein forderndes Lernprojekt weit ausserhalb der Komfortzone und mit sehr vielen Lerneffekten.
Abgerundet wurde die Sonderschau mit täglichen Talks zu den definierten Themenfeldern. Die Talks waren spannend und zeigten immer wieder neue Perspektiven.
Natürlich war das Projekt kein Selbstläufer. Es gab Diskussionen, Unsicherheiten und viel Improvisation. Doch die vielen positiven Rückmeldungen zeigen: Es hat sich gelohnt.
Learnings aus Hotel Utopia
- Neue Wege entstehen beim Gehen
- Gegenwind nicht als Hindernis sehen. Aussagen wie «das geht nie» oder «das haben wir schon probiert» sollten erst recht motivieren, Neues zu wagen und es besser zu machen
- Erfolg entsteht im Team. Man braucht Partner, die mitziehen und an die Idee glauben, gerade dann, wenn es anspruchsvoll wird
- Chancen sehen statt Angst vor dem Scheitern
- Gross denken, aber flexibel bleiben. Klare Basis haben (bei uns die 4 Themenfelder)
- Ideen sterben lassen können, um bessere zu ermöglichen
- Akzeptieren, dass nicht alles perfekt läuft
- Den Blick fürs Ganze behalten
- Positiv bleiben und andere motivieren
- Resilienz zählt
- An sich glauben, ohne abzuheben
Ich bin überzeugt: Messen haben Zukunft. Gerade wegen der Digitalisierung. Menschen sind soziale Wesen. Sie wollen sich treffen und austauschen. Messen bieten dazu die beste Gelegenheit. Die Art der Messen wird sich verändern. Das Aufzeigen der Customer Journey mit Infotainment und Networking-Plattformen wird Messen erfolgreich machen. Es muss nicht alles sofort geändert werden. Der Weg ist das Ziel.